Montag, 6. Dezember 2010

Strohhalme

Als Ertrinkender greift man ja nach jedem Strohhalm. Oder sonst etwas, das ein wenig Auftrieb verspricht. Da ist man dann nicht so wählerisch. Blöd nur, wenn der Strohhalm ein anderer Mensch ist - womöglich ebenfalls ein Ertrinkender. Da ist sich jeder selbst der Nächste. Extremsituation und so. Aber schön ist es trotzdem nicht. Womöglich richtet man damit Schaden an, der nicht wieder gut zu machen ist. Was ist die Alternative? Sang und klanglos untergehen, sein Schicksal akzeptieren? Sich zusammenreissen, die Reserven mobilisieren und Wasser treten bis es nicht mehr geht? Hoffen, dass rechtzeitig ein Rettungsring in Greifweite kommt? Inwiefern hat man in solche einer Situation überhaupt eine Wahl? Inwiefern kann man seine Rücksichtslosigkeit im Angesicht des eigenen Ertrinkens zurückschrauben? Diese Divergenz zwischen können und wollen. Blöd eigentlich.